Intelligenz im Garten

Rasen mähen, Blumen gießen und den Teich prüfen? Oder doch lieber vom Liegestuhl aus den Garten genießen? Sie haben die Wahl.

Endlich Feierabend an diesem warmen Frühlingstag. Die Sonne scheint, die Grillkohle steht bereit. Es könnte so herrlich sein, wäre da nicht der Rasen, der dringend gemäht werden muss und sich leuchtend grün ins Blickfeld drängt – ein Garten ist etwas Schönes, aber die damit verbundene Arbeit bringt nicht immer nur Freude. Da kommt der technische Fortschritt gerade recht.

Smart Gardening heißt das Stichwort, unter dem das Leben im Grünen einfacher werden kann. Denn die Digitalisierung lässt sich nicht nur im Haus fürs Smart Home nutzen, sondern auch im Garten und für den Balkon.„Mähroboter sieht man inzwischen recht häufig, aber die Möglichkeiten der Digitalisierung gehen weit darüber hinaus“, sagt Daniel Trumpp, Manager Digital Business beim Unternehmen AL-KO Gardentech, zu dem auch der Wittener Geräte-Hersteller Brill gehört. Das kann schon bei der Gestaltung der privaten Oase beginnen.

Professionelle Garten- und Landschaftsarchitekten arbeiten ohnehin mit digitalen Vermessungsmethoden über Laser und GPS, inzwischen können sie den Kunden ihre Vorstellungen zudem besser vermitteln, nämlich über eine Virtual-Reality-Brille, die eine 3-D-Version der Gestaltung zeigt. Das mögen viele noch als Spielerei empfinden, so richtig interessant wird die Digitalisierung jedoch, sobald die ersten Arbeiten anstehen.

Sensoren messen wichtige Daten

Der Mähroboter dreht seine Runden auf der Rasenfläche, und der Hausbesitzer muss ihn dafür nicht einmal einschalten. Die notwendigen Intervalle hält der Roboter von selbst ein. Er kürzt das Gras häufig, sodass nur geringe Mengen Schnittgut anfallen, die als Dünger auf dem Rasen liegen bleiben. Sensoren messen in der Zwischenzeit die Feuchtigkeit der Erde und der Luft.

Alle Daten werden von einem kleinen Computer ausgewertet, der zusätzlich über WLAN Wetterdaten aus dem Internet auswertet und entscheidet, ob er die Bewässerungsanlage in Betrieb setzt. Spezielle Sensoren erfassen die Lichtverhältnisse in den Gartenabschnitten. Schließlich sollte man möglichst im Schatten wässern. Auch Gartenteiche lassen sich digital steuern, etwa über entsprechende Thermometer und Regenmesser.

Smart Home kann die Basis sein

„Richtig smart wird es, wenn sich der Rasenroboter mit dem digitalen Kalender des Gartenbesitzers abgleicht und automatisch darauf reagiert: Ist nachmittags eine Grillparty geplant, wird vormittags gemäht“, sagt Trumpp. Er ist davon überzeugt, dass die Digitalisierung in schnellen Schritten voranschreiten wird. „Ich sehe eine Entwicklung hin zu immer smarteren Gartengeräten und -diensten, die sich vollautomatisch mit weiteren Geräten und Lösungen rund um Haus und Garten synchronisieren.“

Smart Gardening verbindet sich also mit dem Smart Home. Beispiele sind Gartenlampen oder Lautsprecher, die sich übers Smartphone oder Tablet steuern lassen. Oder Bewegungssensoren, die automatisch den Rasensprenger ausschalten und dafür den Eingang beleuchten, sobald ein Bewohner den Garten betritt – umgekehrt sorgen sie für Effizienz, weil nicht benötigte Anwendungen direkt beendet werden. Im Idealfall stammt der benötigte Strom zudem von einer Solaranlage. In Kombination mit einem Stromspeicher können Geräte sogar in den frühen Morgenstunden oder abends betrieben werden.

Geräte sammeln Informationen

Die Vorteile der vernetzten Geräte liegen auf der Hand: Hausbesitzer profitieren vom Komfort und gleichzeitig von der Qualität, weil der Garten größtenteils gut gepflegt ist. Anwendungen wie Beleuchtung und Bewässerung können sich sogar für den Balkon lohnen.

Alles übernehmen die Geräte derzeit zwar noch nicht. Hecken schneiden und Stauden setzen – das müssen die Gartenbesitzer selbst übernehmen. Digitale Unterstützung ist ihnen aber sogar dabei sicher. „Auch Akkus beziehungsweise deren Ladestationen werden intelligent, und damit ebenfalls Handgeräte wie Heckenscheren, Trimmer und Motorsägen“, erklärt Trumpp. „Schneidet der Gartenbesitzer beispielsweise seine Hecke mit einer smarten Heckenschere, sammelt das Gerät Informationen über seinen eigenen Zustand. Der Gärtner erhält dann Rückmeldung zu Fragen wie: „Wende ich das Gerät richtig an?“, „Wann ist der richtige Zeitpunkt, um es zu nutzen?“, „Muss das Gerät demnächst gewartet werden?“. Das erhöhe wiederum die Lebensdauer der Technik.

Roboter jäten bereits Unkraut

Weitere Innovationen stehen in den Startlöchern: Das amerikanische Unternehmen Franklin Robotics hat mit Tertill ein Gerät entwickelt, das optisch einem Mähroboter ähnelt. Seine Aufgabe besteht jedoch darin, Unkraut zu jäten. Über eine spezielle Software lernt es dafür, Pflanzen voneinander zu unterscheiden. Es soll in Kürze auf den Markt kommen.

Der kalifornische FarmBot Genesis übernimmt den Gemüseanbau sogar komplett. Er pflanzt, bewässert und jätet Unkraut. Die Automatik für Selbstversorger hat allerdings ihren Preis. Umgerechnet kostet sie rund 3.000 Euro. Einfache Mähroboter sind hingegen schon für wenige Hundert Euro zu haben.

Aber ist es für viele Menschen nicht das Schönste, mit den Händen in der Erde zu wühlen und ein einfaches Beet in ein Blumenmeer zu verwandeln? „Das können sie ja auch“, betont Trumpp. „Für mich sieht die Vision des Gartens der Zukunft so aus, dass sich ein Gartenbesitzer, gestützt durch smarte Lösungen, auf die Dinge fokussieren kann, die ihm im Garten Freude bereiten. Alles andere passiert automatisch.“

So wird der Garten smart (zum Vergrößern klicken)

Rasenmähen auf die entspannte Art und Weise