Was treibt Sie an, Dr. Folke Brinkmann?

Als Ärztin war sie in den vergangenen Monaten sehr gefragt. Jetzt erforscht sie, wie schnell sich der Corona-Virus in Schulen und Kindergärten verbreitet.

Frau Dr. Brinkmann, müssen Sie viel über Corona reden?

Ja, aber ich habe mich daran gewöhnt. Mich sprechen auch privat Eltern an, weil sie Fragen zu Corona haben. Manche Dinge wissen wir allerdings noch nicht.

Genau das wollen Sie ja mit dem Forschungsprojekt CorKID ändern. Wie ist der Ansatz entstanden?

Das Virus verhält sich bei Kindern anders als bei Erwachsenen. Anfangs hat man kaum etwas von erkrankten Kindern gehört, obwohl bekannt ist, dass sich beispielsweise Grippeviren sehr stark über Kinder verteilen. Dann gab es erst in China und schließlich auch in Deutschland Studien, die Viren bei Kindern nachgewiesen haben. Für uns ist es jetzt wichtig, wie leicht die Ansteckung und die Weiterverbreitung funktionieren.

Dafür müssen Sie das Blut der kleinen Patienten untersuchen?

Genau. Das machen aber zunächst nicht wir, sondern die Kinderärzte der Regionen Bochum, Witten, Herne und Sprockhövel. Wir haben sie gefragt, und sehr viele machen mit. Sie sprechen Eltern an, die mit ihren Kindern zu den üblichen Vorsorgeuntersuchugen kommen. Den Kindern nehmen sie Blut für einen Corona-Antikörpertest ab, die Eltern füllen einen Fragebogen aus. Auf diese Weise können wir einen guten Querschnitt der Bevölkerung erfassen. Insgesamt streben wir eine Zahl von 3.000 Teilnehmern an. Die Mütter oder Väter testen wir übrigens mit, falls sie dazu bereit sind. Gestartet sind wir damit bereits vor einigen Wochen.

Wozu dienen die Fragebögen?

Darin fragen wir nach Kontakten zu Infizierten, aber auch danach, wann die Kinder in der Schule oder Kita waren. Wir werden also bald sehen können, wie stark Schulbesuche die Infektionszahlen beeinflussen.

Was passiert, wenn Kinder positiv auf Antikörper getestet werden?

Wir bieten den Eltern an, ihre Kinder über ein Jahr mehrmals in der Klinik zu untersuchen. So können wir verfolgen, wie sich der Immunschutz entwickelt.

Warum reagieren Kinder auf das Corona-Virus überhaupt anders als Erwachsene?

Dafür gibt es verschiedene Erklärungsansätze. Ein Punkt sind wahrscheinlich bestimmte Rezeptoren, die als Eintrittspforten für das Virus gelten. Bei Kindern funktionieren sie noch anders. Außerdem ist das Immunsystem in einem anderen Trainingszustand.


Dr. Folke Brinkmann

ist Oberärztin und kommissarische Leiterin der Pädiatrischen Pneumologie an der Universitätskinderklinik der Ruhr-Universität Bochum. Derzeit leitet sie eine der bundesweit größten Untersuchungen zur Corona-Verbreitung bei Kindern. Die Studie „CorKID“ wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 566.000 Euro gefördert. klinikum-bochum.de